Museum der Leichenwagen in Barcelona – Eines der skurrilsten Museen der Welt

Die Hauptstadt Kataloniens gilt als eines der kulturellen Zentren der iberischen Halbinsel und hat alleine deswegen schon eine Vielzahl von Museen zu bieten. Doch ein Blick auf die Museumslandschaft der Metropole zeigt, dass es nicht immer nur alltägliche Dinge zu sehen gibt. Dies gilt ganz besonders für das Museum der Leichenwagen, Col.Lección Carrozas Fúnebres. Besucher des Museums haben die Möglichkeit, Leichenwagen aus verschiedenen Jahrhunderten zu bewundern. Die Sammlung wurde im Jahre 1970 ins Leben gerufen und wurde jahrelang im Keller eines Bestattungsunternehmens gezeigt. Im Juni 2012 erfolgte dann die Umsiedlung auf den Friedhof von Montjuic. Das Museum zeigt Schätze, die von unschätzbarem, geschichtlichem Wert sind. In Zahlen umfasst die Sammlung:

  • 13 Leichenkutschen
  • 6 Kutschen, die zum Transport der Trauergäste oder Angehörigen genutzt wurden
  • 3 motorisierte Leichenwagen

Im Museum für Leichenwagen steht aber nicht nur der fahrbare Untersatz im Vordergrund. Es wird anschaulich gezeigt, wie Leichentransporte oder Leichenzüge in früheren Jahrhunderten realisiert wurden. Eine interessante, etwas andere Reise zurück in längst vergangene Zeiten.

Viele Ausstellungsstücke bestechen durch eine wunderschöne Verzierung

Die vielen Original Leichenwagen im Museum zeigen nicht nur, wie stilvoll früher Leichenzüge gestaltet wurden. Sie geben auch einen Eindruck von der künstlerischen Stilrichtung der jeweiligen Epoche. Gerade fünf Exponate der Sammlung zählen zu den absoluten Highlights in diesem Bereich:

  • Imperial: Diese Kutsche wurde für große, pompöse Beerdigungen genutzt, was beispielsweise für viele spanische Herrscher galt. Die letzte Beerdigung fand in diesem Leichenwagen im Jahre 1986 statt.
  • Gothic: Bereits von außen lässt sich der Einfluss des gotischen Stils entdecken, der sich beispielsweise in purpurfarbenen Ornamenten zeigt. Die Kutsche wurde noch Ende des 19. Jahrhunderts gebraucht.
  • GrandDoumont: Hier diente eine französische Kutsche als Vorbild, wobei der imperiale Stil in vielen Elementen vorherrschend ist. Die Kutsche wurde in Paris gebaut und zwar im berühmten Hause Cellini. Sie ist ein Sinnbild für den opulenten Stil des 18. Jahrhunderts.
  • Estufa: Eine der schönsten, aristokratischen Kutschen unter den früheren Leichenwagen. Auffallend sind die großen Fenster und die prunkvolle Verzierung.
  • Aranya: Diese Kutsche wurde bis weit ins 19. Jahrhundert hinein von der Arbeiterklasse genutzt. Im Vergleich zu den anderen Kutschen ist sie eher schlicht gehalten.

Auch einige Sonderleichenwagen können im Museum bewundert werden

 Neben den großen, prunkvollen Ausführungen gibt es einige besondere Fahrzeuge, die für spezielle Aufgaben gebraucht wurden. Dazu zählen beispielsweise die weißen Kutschen, wobei die Farbe Weiß als Reinheitssymbol galt. Nur für Leichenzüge von Kindern und unverheirateten Frauen durften die weißen Kutschen benutzt werden. Eine weitere Besonderheit im Museum für Leichenwagen stellen die motorisierten Varianten dar. Insgesamt drei Arten befinden sich in der Ausstellungen, die aus den Jahren 1920, 1940 und 1970 stammen. Besucher können im Museum mehr über das Barcelona in früheren Zeiten erfahren. Es gibt ein ausgefeiltes, visuelles Konzept, das sich nicht nur mit den Leichenwagen an sich, sondern auch mit den Bestattungsriten und Bräuchen beschäftigt. Wer eine bleibende Erinnerung an die Kollektion mitnehmen möchte, sollte dem Souvenir-Shop des Museums einen Besuch abstatten. Hier finden sich teils auch skurrile Andenken.

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